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Förderverein
Thüringenkolleg Weimar e.V. |
Zunächst sei vorausgeschickt, dass wir zuerst allen zu danken haben, die, auf welcher Ebene auch immer, die kurzzeitige Bedrohung des normalen Schulbetriebes verhindern konnten.
Die in der Presse auftauchenden und sich widersprechenden Zahlen bringen mich zu folgender Vorbemerkung: Bei einer ursprünglichen Anmeldezahl in der Gegend von 150 und einer Warteliste aus dem Vorjahr war sicher jedem klar, dass wir auch "heuer" nicht nur eine Klasse zu füllen haben. Vielleicht ist dem aussenstehenden Beobachter nicht genügend in den Fokus geraten, dass Schulleitung und Kollegium mit Recht die vernünftige Kursgestaltung in Gefahr gesehen haben. Es ging nicht um die Frage, ob 54, 60 oder vielleicht 63 Schüler aufgenommen werden sollen, vielmehr hat man offenbar zuletzt ausreichende Argumente geliefert, so dass wir zwei Klassen eröffnen können.
Weit davon entfernt, aus Pressemeldungen Unterstellungen zu machen, wird m.E.
deutlich, dass die allgemeine Diskussion über die Gestaltung des Bildungswesens
in Thüringen nun auch den zweiten Bildungsweg erreicht hat. Leider wird ebenso
deutlich, dass viele einerseits von erfrischender Unkenntnis dieser offenbar
exotischen
Schulform und andererseits von einigermaßen praxisfernen Vorstellungen über
abgewandelte Formen zur Erlangung der Hochschulreife geprägt sind. Ich gebe
hier den Schülern recht, die sich über die praktische Undurchführbarkeit
eines Volkshochschulabiturs
geäußert haben. Ein gelegentlich diskutiertes Abendgymnasium erfordert nach
meiner Kenntnis eine Änderung des Thüringer Schulgesetzes.
Da unser Verein entsprechend seiner Satzung nicht der Förderung irgendeiner Variante des zweiten Bildungsweges sondern der des Kollegs, und zwar speziell in Weimar, verpflichtet ist, füge ich folgende Argumente an, in der Hoffnung, sie mögen die offenbar andauernde Diskussion über die künftige Gestaltung des Thüringenkollegs im Vereinssinne befördern:
Leider ist es nur eine Interpretation der bisherigen Vorgänge, wenn wir denken, dass das Kolleg in Weimar beispielsweise durch einen Wechsel in der Trägerschaft in seiner bisherigen Form erhalten werden könnte. Zur Versachlichung der Diskussion sei mitgeteilt, dass sich das zweite Thüringer Kolleg bereits in kommunaler Trägerschaft befindet. Der Verein interpretiert entsprechende Willensbekundungen der Weimarer OB - Kandidaten, so sehr wir uns darüber freuen, hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit eher skeptisch. Deshalb wünschen wir uns in diesem Punkt eine Erhaltung des jetzigen Status. Zur weiteren Versachlichung der Argumentation werden wir prüfen lassen, unter welchen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten und mit welchen rechtlichen Voraussetzungen ein privater Träger das Thüringenkolleg weiterführen könnte. Bislang sind wir hier sehr skeptisch, was uns erneut für die Beibehaltung der Trägerschaft eintreten läßt.
Die Mitarbeiter des Thüringenkollegs sind nach unseren Informationen bereit, sich zum Beispiel im Zusammenhang mit der Diskussion über eigenständige Schule und damit auch über Schulprofil und Leitbild argumentativ mit einer Weiterentwicklung der Schulform Kolleg auseinanderzusetzen. Ich gehe davon aus, dass im Spannungsfeld zwischen Loyalität von Landesbediensteten und aktiver demokratischer Mitwirkung Möglichkeiten gefunden werden, die am Kolleg entstandenen Kompetenzen zu nutzen. Leider ist die Absage an eine ersatzlose Streichung noch keine Garantie für den Erhalt. Manche Kollegen sind verunsichert, an welche Art von Ersatz dabei gedacht ist. Ich bin sicher, dass bei Fortbestand des gegenwärtigen Bedarfs auch von einem Fortbestand der gegenwärtigen Schulform auszugehen ist. Die dafür eingesetzten Mittel sind in jedem Fall eine "Investition in die Köpfe".
Dem Förderverein liegen Zahlen zur Haushaltsplanung des Freistaates Thüringen
vor. Wir lassen gegenwärtig prüfen, ob wir Sie veröffentlichen dürfen. Wir
glauben, dass wir auch damit zur Versachlichung beitragen könnten. Offensichtlich
sind (wie in allen anderen Fällen übrigens auch) die so genannten Personalkosten
am höchsten. Diese sind allerdings auch nicht einzusparen, wenn bei einer Schließung
des Kollegs die Lehrer an andere Einrichtungen versetzt würden. Wir räumen
ein, dass man damit zumindest theoretisch und langfristig Neueinstellungen
verzögern könnte.
Zur weiteren Argumentation erinnern wir auch an die Einnahmen, die das Kolleg
"verursacht" und an die bereits laufende Diskussion über eine Änderung der
Internatspreise. Der Verein erklärt seine Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit,
wenn es darum geht, die Einnahmeseite im Haushalt zu "verbessern".
In letzter Zeit war zwischen den Zeilen gelegentlich zu spüren, dass der eine oder andere (und möglicherweise auch Entscheidungsträger) über eine "Zusammenlegung" des Kollegs mit der einen oder anderen Form von beruflichen Schulen nachdenkt. Die in einem Artikel auf Seite 1 der TLZ vom 9. Mai erwähnte Arbeitsgruppe und deren bisher in diesem Artikel dargestellte Arbeit unterstützt diese Deutung. Der Förderverein steht dem zunächst ebenso skeptisch gegenüber, wie allen eingangs angesprochenen Veränderungen in der Trägerschaft und ist jederzeit bereit, weitere Argumente für den zweiten Bildungsweg und für das Kolleg in seiner jetzigen Form in jede laufende Diskussion einzubringen oder die dargestellten weiter zu erläutern.
Detlef Wagner
Vereinsvorsitzender