Der Versuch, einen Toten zum Leben zu erwecken oder eine schlafende Tradition wiederzubeleben?

Der erste Kolllegtag, theoretisch könnten sich noch vier Lehrer an diesen erinnern, wurde am 17. Juni 1993 in Apolda als "Kollegfeiertag" begangen. inwieweit er eine Herzensangelegenheit der damaligen Kollegiaten und/oder Lehrer war, kann man aus dem Studium der "Dokumente" nicht ermitteln. Offensichtlich war die Konzeption aber einem klassischen "dies academicus" entlehnt. Es fand neben den obligaten Vorträgen zu "wissenschaftlichen Themen" noch eine kulturelle Veranstaltung statt.  Noch erforscht werden muss, wer die "Ehrenmitglieder des Kollegs" waren, die sich um 17 Uhr zu einer Sitzung trafen. Ob die kulturelle Soiree ab 18 Uhr heute noch die zeitgemäße Form ist, sei dahingestellt, jedenfalls gab es damals eine kulturelle Urahmung wie bei einem echten akademischen  Feiertag üblich. Bezogen auf die heutigen Wiederbelebungsversuche sollte man eventuell folgenden Programmpunkt noch einmal aufführen:
Aller Anfang ist schwer - Chor unter Leitung von Frau Kirmße
Am 29.4.1997 gab es die Neuauflage. Hier wurde mit einem Kulturprogramm und einem Theaterstück um 8 Uhr im Bienenmuseum begonnen. Die Vorträge gabe es am Nachmittag in drei "Durchgängen" zu jeweils 30 Minuten. Nachahmenswert erscheint der nachfolgende Programmpunkt:
ab14.30      Auf dem Schulhof (bei schlechtem Wetter in der Mensa): Essen, sitzen, reden, trinken, singen....(open end)

 

Wissenschafts- oder Kollegtag bzw. wozu dient das Reizwort Wissenschaft?

Die Bezeichnung Wissenschaftstag, ob man es gut findet oder nicht, weckt heute offenbar kein besonderes Interesse an der Veranstaltung, sondern generiert Versagensängste potentieller Vortragskandidaten. Vor den "wissenschftlichen Vorträgen" scheint zumindest 1993 niemend davongelaufen zu sein. Wer Wikipedia quält und/oder googlet, erfährt, dass ein Wissenschaftstag eigentlich nie für einige seminaristische Vorträge an einem halben Tag steht, sondern für weit umfangreichere wissenschaftliche Veranstaltungen.  Eigentlich kein Grund dies nicht zu ändern, andererseits begründet man damit ein neues Format und erneuert keine Tradition. Der 2010 geplante Tag ist natürlich (noch) keine vollständige Inkarnation vorangegangener gleichlautender Veranstaltungen. Es war allerdings schon schwer genug, für das jetzt in Aussicht genommene "Minimalprogramm", das sich auf die Vorträge beschränkt, genügend mehr oder weniger begeisterte Zustimmung zu erzeugen.
Leider sind auch Stimmen bekannt gworden, die behaupten, das der Gebrauch des Wortes "Wissenschaft" das Angebot einzelner Vorträge verhindert hat, die vielleicht ebenso interessant gewesen wären.  Eine ausfürliche Diskussion, was wissenschaftliche Arbeit ist und wie sich deren Ergebnisse in Vorträgen äußern kann gern geführt werden, sollte aber dem Anfang nicht entgegenstehen.

Tipps zur konstruktiven Gestaltung solcher und ähnlicher Tage ( Vorsicht Satire)


Lesen Sie auf keinen Fall irgendwelche Aushänge, erst recht nicht die Jahresplanung der Schule (dort steht seit August 2009, dass wir im März einen Tag der offenen Tür und einen Kollegtag planen). Sie laufen sonst Gefahr, an der regelmäßig im Vorfeld stattfindenen "Davon habe ich nichts gewußt"-Diskussion nicht ehrlichen Herzens teilnehmen zu können.

Sollten Sie den erwähnten Eintrag versehentlich gelesen haben, könne sie ihn immer noch 5 Monate lang geistig ignorieren. Auf keinen Fall sollten Sie sich irgendwo erkundigen, was das eigentlich ist. Auch hier laufen Sie Gefahr, ein paar Argumente zu verlieren, wenn es dann darum geht, zu einem Zeitpunkt Verbesserungsvorschläge einzubringen, wenn sie sich garantiert nicht mehr verwirklichen lassen.

Ignorieren Sie Kollegkonferenzen bzw. widersprechen Sie den dortigen Festlegungen nie sofort, sondern am besten mit einer Latenzzeit von mindestens drei bis vier Monaten. Sie können sicher sein, dass sich dann eine erkleckliche Anzahl Ihrer Diskussionspartner nicht mehr erinnern kann. Noch besser: Lassen Sie wiedersprechen! Sollte Ihnen dazu der Mut fehlen, können Sie ersatzweise auch die Kommunikation zwischen Kollegiaten und deren Vertretung kritisieren. Das stimmt immer! Versuchen Sie nie, die dort beobachteten Defizite zu bekämpfen, sondern heben Sie sich die Argumente für die nächste Veranstaltung auf.

Fragen Sie nur dann nach Planungsdetails, wenn Sie ganz sicher sind, dass diese noch nicht vorliegen.
Suchen Sie sich Verbündete, am besten durch die Verbreitung von Halbwahrheiten oder die Unterstützung von Animositäten. Im Notfall helfen auch Stellvertreterkriege.

Kritisieren Sie die Tatsache, dass die meisten Lehrer der Meinung sind, man müsse sich darum kümmern, dass die Kollegiaten auch zu den Vorträgen erscheinen. Das kann man sehr einfach als Bevormundung oder Gängelei bezeichnen und damit sogar eigene Unlust kaschieren.

Wenn Sie alle diese Ratschläge beachten, kann jede solche Veranstaltung nur noch ein voller Erfolg in Ihrem Sinne werden.